logoblogg.de • Elektrische Zigarette 

Montag, 05.03.2012

Ein Wort


Es liegt mir auf der Zunge
ich speie es aus wie Gift -

ein Wort

die Erinnerung
an eine Tatsache
einen Gegenstand
einen Sachverhalt
der mir entgegenkommt
aus der Müllhalde der Vergangenheit
aus den dunklen Tiefen
der Verdrängung

nur ein Wort

es erschüttert meine Seele
es rührt mich zu Tränen
lässt mich zusammenbrechen
in den Ruinen meiner Biographie

ein Wort

bevor die Gedanken wieder entgleisen
die Konzentration sich verflüchtigt
ein Geräusch oder ein visueller Reiz
eine Ablenkung bewirkt
mich erlöst von den innerlichen Schreien
den internalisierten Demütigungen
der unterschwellig lauernden Hoffnungslosigkeit

© 2012 by Nada Void

Sonntag, 26.02.2012

Wahre Masken


Nächte:
Das Schlafen kontrollierter, scharlachroter Sünde.
Große Tage, der Tod der Gefühle wird gefeiert.
Sperrbezirk derer, die erwacht sind.
Das Zeitalter des vermüllten Selbst.
Das Zeitalter der Freiheit,
der Sklaven des Individualismus, der „wahren“ Masken.
Alles ist betäubt, alles konformistisch, leer und sinnlos.
Die Ware Selbst: Zweitnamen und Doppelleben,
ein neues Gesicht, eine artifizielle Identität.
Nur wir sind die Architekten unseres Niedergangs,
nur wir sind die Erschaffer der Propaganda-Maschine.

© 2010/2012 by Nada Void

Vermisste Person


Vermisste Person,
die Statistiken geben mir recht,
und die Daten im Computer des BKA.
Du wirst schon so lange vermisst.
Ich sage häufig deinen Namen,
ganz nebenbei so vor mich hin.
So viele Straßen führen in
fremde Städte, in neue Leben,
die sich hinter Mauern und Fensterscheiben abspielen,
in den Büros, den Kaufhäusern und den Fabriken.
Bist du noch am Leben,
oder schon längst tot?
Die Vögel in den Bäumen,
singen sie nicht deinen Namen?
Vermisste Person,
deine reichen Eltern suchen dich nicht,
in den Ruinen deines vorigen Lebens,
in den neuen Ghettos der Gescheiterten,
am Rande der Metropolen.
Du bist verschwunden aus ihren Kreisen,
wurdest ersetzt durch eine Puppe,
eine leere Hülle, die jeder Seele beraubt ist,
angefertigt nach einem alten Bild von dir.
Die Puppe übernahm deine Rolle,
in dem Leben, dass sie dir aufzwingen wollten,
das sie für dich vorgesehen hatten, von Anfang an.
Du löschtest dich selbst aus dem Buch der Gesellschaft,
radiertest dich weg aus den meisten Erinnerungen.
Ich sammle Phantombilder mutmaßlicher
Täter, Fotos von unbekannte Toten
und vermissten Kindern,
versuche damit, dass unweigerliche Vergehen
der Zeit zu bekämpfen,
den Schmerz der Ungewissheit, der in mir nagt.
Du bist derweil so weit weg von Allem,
in deinem Exil, in meinen Träumen.

© 2010 by Nada Void

Donnerstag, 23.02.2012

Dreiklang


I. Allein

Dieses ewige Warten
in meinem Raum

Die Nacht - eine dunkle See
Der Tag - ein Schneegestöber der Ereignisse

Ein Schmerz, der nicht aufhören will.

II. Die Stille

Es ist niemand mehr da, der mir zuhört.
Die Stimmen in dem Raum sind nur die Stimmen in meinem Kopf,
die mir immer wieder die Frage stellen, wie lange ich dieses
Vor-mich-hin-vegetieren noch zu ertragen in der Lage bin.

III. Begrabene Träume

Am Abend des Tages ist mir alles egal.
Ich winde mich in den Schmerzen eines
sinnlosen Daseins,
bar jeder Hoffnung auf ein normales Leben,
als ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft.

© 2012 by Nada Void

Freitag, 17.02.2012

Sprache - Leichengrube der Worte


Ein Requiem für die stromlinienförmige Jugend
komponiert aus pechschwarzen Lettern
ausgespienen Vokalen des Hasses
verbalen Injurien ohne ein genau definiertes Ziel
Gedichte aus Schreien und Flüstern
Romane aus Klagelauten
Sprache als Gewitterwolke, der Sturm wird bald kommen
alle Gegenstände zu ihrem Bestimmungsort zurückführen
bis alles verstummt, die Gesichter der Erinnerung verblassen
der Zug der Gedanken endlich anhält
die erkalteten Herzen der Menschen zu schlagen aufhören

© 2012 by Nada Void